
Ägäische Kräuter in der türkischen Küche
Die ägäische Region Türkiyes ist für ihr reiches kulturelles Erbe, faszinierende archäologische Stätten und die Vielfalt ihrer Küche berühmt. Neben traditionellen mediterranen Nutzpflanzen wie Oliven, Tomaten und Trauben beherbergt die Region auch einige interessante Kräuter. Diese Kräuter sind einzigartig für die Ägäis und werden in der Küche wegen ihres unverwechselbaren Geschmacks sowie wegen ihres traditionellen gesundheitlichen und medizinischen Nutzens geschätzt.
Ebegümeci – Malve

Malven wachsen in ganz Türkiye und in der Ägäis wild und werden in Olivenöl gegart. Abseits der Küche gelten die Blätter als heilkräftig und werden als Umschlag verwendet, um Entzündungen zu lindern. Besonders nützlich sollen sie sein, um Furunkel und Zysten aus der Haut zu ziehen.
Arapsaci – Fenchel

Arapsaci ähnelt auf den ersten Blick dem Dill, doch sein Geschmack ist ganz anders. In der Küche werden Samen, Blätter und Stängel des Arapsaci verwendet. Das Kraut wird meist mit Olivenöl und Zwiebeln angebraten, ähnlich wie andere Wildkräuter der Ägäis. Es wird häufig zu Lamm gereicht oder in Börek verwendet. Außerdem gibt man Arapsaci zu gekochten dicken Bohnen und Zucchini, was ein leichtes, aber aromatisches vegetarisches Gericht ergibt.
Turp Otu – Radieschenblätter

Die türkische Küche verwertet oft Teile von Obst und Gemüse, die sonst weggeworfen würden. Radieschenblätter sind voller Aroma und reich an Vitaminen und Antioxidantien, weshalb man sie möglichst oft verwenden sollte. Ob leicht gegart in einem Salat mit Knoblauch und Joghurt oder in Eiergerichten: In der gesamten Ägäis werden Radieschenblätter viel verwendet. Einheimische glauben außerdem, dass sie gut für die Nieren, die Leber, bei Rheuma, Asthma und Atembeschwerden sind. Warum nicht ihre Thesen selbst einmal ausprobieren?
Deniz Borulcesi – Queller

Queller wächst vielerorts entlang der türkischen Küste. Dieses köstliche Meeresgemüse genießt man am besten als Meze, einfach in Olivenöl mit frisch gepresstem Zitronensaft gegart – was könnte sommerlicher sein? Queller ist reich an Jod, einem essenziellen Mineralstoff für die Schilddrüsengesundheit. Die Schilddrüse ist eine wichtige Drüse, die Stoffwechsel, Knochen- und Zahnwachstum reguliert. Jodreiche Lebensmittel werden besonders in der Schwangerschaft empfohlen.
Sevket-i Bostan – Benediktenkraut

Das auch als Gefleckte Distel bekannte Benediktenkraut wächst typischerweise im Januar. Das Kraut kann in Salaten verwendet, mit Fleisch gekocht oder einfach in Olivenöl gegart und pur gegessen werden. Ein in ganz Türkiye weit verbreitetes Gericht ist Lamm mit Benediktenkraut. Einheimische glauben, dass Benediktenkraut bei Nieren- und Verdauungsbeschwerden helfen kann. Viele Einheimische haben morgens das Ritual, heißes Wasser mit Benediktenkraut zu trinken, um Nieren und Verdauungssystem vor dem Tagesbeginn zu reinigen (ähnlich wie man heißes Wasser mit Zitrone trinkt).
Kuzu Kulagi – Grüner Sauerampfer

Kuzu Kulagi ist ein entgiftendes Kräuter-Gemüse mit säuerlicher Note. Es ist ein kraftvolles Kraut mit hohen Anteilen an Vitamin A und C sowie an Calcium, Kalium, Magnesium und Phosphor. Traditionell werden die Blätter als Tee aufgegossen, um Fieber und Entzündungen zu lindern, während der aus Blättern und Stängeln gepresste Saft als Nieren- und Entwässerungsmittel gilt. Junge Blätter kann man frisch in Salaten verwenden, entsaften oder als Tee aufgießen. Ausgewachsene Blätter lassen sich wie Spinat für vielerlei Gerichte verwenden.
Radika – Löwenzahn

Radika wird wegen seiner gesundheitsfördernden und medizinischen Eigenschaften weit verbreitet genutzt. Die Blätter können roh gegessen, gekocht, getrocknet oder aufgegossen werden. Radika ähnelt Senfblättern und lässt sich ähnlich verwenden. Die jungen Blätter und Knospen isst man meist roh; sie sind zwar leicht bitter, aber eine geschmackvolle Ergänzung für Suppen und Salate. Blätter und Stängel sind reich an Vitamin A und C sowie an Eisen, Calcium und Kalium. Man glaubt, dass Radika bei allem von Blutbeschwerden bis hin zum Abgang von Nierensteinen und Schlaflosigkeit hilft. Traditionell wird Löwenzahn zubereitet, indem man die Blätter kocht und mit Zitrone und Olivenöl serviert. Alternativ können die Blätter getrocknet, gemahlen und zu einem koffeinfreien Kaffeeersatz verarbeitet werden.
Isirgan – Brennnessel

Isirgan, auch als Dalagan oder Dalan bekannt, gehört zu den ältesten bekannten Kräutern. Seit Jahrhunderten wird es in der Küche und in der Hausmedizin verwendet; Blätter und Wurzeln des Isirgan sollen unterschiedliche Anwendungen haben. Wer mit dem Kraut arbeitet, sollte unbedingt Handschuhe tragen, denn die Blätter haben winzige Stacheln, einen natürlichen Schutzmechanismus. Oft trinkt man Tee aus den Blättern, da man glaubt, dass er bei Lungeninfektionen, Erkältungen, Verdauungsbeschwerden und sogar bei Masern hilft. Außerdem sollen die Blätter entzündungshemmend wirken und als Umschlag bei schmerzenden Muskeln helfen. In Türkiye wird Isirgan traditionell als Suppe zubereitet. Die Blätter werden gesammelt, gewaschen, in einer einfachen Brühe gegart und anschließend püriert. Die Suppe hat eine auffällig grüne Farbe und wird traditionell im Frühling zubereitet, wenn die Blätter jung und zart sind. Isırgan wird außerdem häufig mit Olivenöl und Zwiebeln angebraten.





